Klarheit im Alltag statt Selbstoptimierung: Wenn vieles gleichzeitig wirkt
- Eva Burmeister Coaching & Beratung

- 10. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 24. Feb.
In meiner Arbeit höre ich immer wieder ähnliche Sätze – von Menschen, die mitten im Berufsleben stehen: „Es ist nicht das eine Thema. Es ist alles gleichzeitig.“
Verantwortung im Job, Erwartungen, private Verpflichtungen, Entscheidungen, und vieles mehr – und dazu der Anspruch, trotzdem souverän zu bleiben.
Wenn viele Bereiche gleichzeitig fordern, fühlt sich der Alltag schnell an, als würde man permanent nachjustieren – ohne je wirklich aufzuholen. Und genau dann passiert etwas Typisches: Statt innezuhalten, setzen viele noch einen oben drauf. Sie optimieren. Noch ein System, noch ein Plan, noch mehr Disziplin, noch mehr Durchhalten.
Das ist verständlich. Oft ist es genau die Strategie, die lange getragen hat.
Nur: Was früher funktioniert hat, entlastet in herausfordernden Phasen manchmal nicht mehr. Nicht, weil weniger Kompetenz da wäre – sondern weil sich die Bedingungen verändert haben: Mehr Tempo, mehr Komplexität, mehr gleichzeitige Anforderungen.
Eine Arbeitswelt, die schneller geworden ist. Erwartungen, die subtil steigen.
Vielleicht liegt der Ansatzpunkt deshalb nicht im „Noch besser werden“.
Sondern im (Aus)Sortieren.
Wenn nicht „du“ das Thema bist – sondern die Gleichzeitigkeit
Viele meiner Klientinnen sind kompetent, zuverlässig und belastbar. Sie haben Verantwortung übernommen, Lösungen gefunden, vieles getragen und organisiert. Zweifel entstehen selten aus mangelnder Fähigkeit – sondern aus der Verdichtung der Themen.
Berufliche Anforderungen, private Veränderungen, innere Ansprüche – manchmal auch körperliche Veränderungen oder Sinnfragen. Wenn alles gleichzeitig wirkt, wird der innere Raum eng und Handlungsfähigkeit eingeschränkt.
Dann taucht schnell die Frage auf: „Was stimmt nicht mit mir?“
Vielleicht lautet die hilfreichere Frage: „Wie bekomme ich wieder Überblick – und welcher nächste Schritt passt wirklich zu mir?“
Ein anderer Einstieg: sich selbst wohlwollend an die Hand nehmen
Über Selbstführung wird viel gesprochen. Häufig klingt es wie eine Regel: „Wer andere führen will, muss sich selbst führen können.“ Das stimmt – und gleichzeitig bleibt oft offen, was das im Alltag eigentlich bedeutet.
Aus meiner Erfahrung beginnt Selbstführung selten mit großen Konzepten. Sie beginnt klein: indem wir uns selbst wieder wohlwollend „an die Hand nehmen“ – so, wie wir es bei einer guten Freundin tun würden. Nicht streng, nicht antreibend, sondern zugewandt.
Mit Fragen, die nicht bewerten, sondern orientieren:
Was ist aktuell los – unter der Oberfläche?
Was brauche ich wirklich (und was ist heute realistisch)?
Was wäre ein passender nächster Schritt?
Gerade unter Druck – im Job und privat – werden solche einfachen Fragen erstaunlich schwer. Nicht, weil sie banal wären. Sondern weil Tempo, Erwartungen und Perfektionsansprüche sie überlagern und der eigene "innere Kritiker" oft besonders hartnäckig ist.
Handlungsfähigkeit heißt nicht „mehr leisten“, sondern wieder Zugang zu sich zu bekommen
Wenn ich von Handlungsfähigkeit spreche, meine ich nicht „sich zusammenreißen“ oder „noch mehr schaffen“. Ich meine: wieder Zugang zu den eigenen Ressourcen zu bekommen – zu Erfahrung, innerer Orientierung und Spielräumen.
Ein systemischer Blick hilft dabei, weil er nicht fragt: „Was stimmt nicht?“ Sondern: „Was wirkt hier gerade – und wo habe ich Einfluss?“
Oft zeigt sich: Vieles, was stärkt, ist bereits vorhanden. Es ist nur überlagert – von zu vielen gleichzeitig offenen Themen, von innerem Druck, von dem Gefühl, allem gerecht werden zu müssen.
Eine kleine Impuls, um den Fokus zurückzuholen
Manchmal reicht ein kurzer Sortiermoment, um innerlich ruhiger zu werden. Nimm dir 10 Minuten und schreibe auf:
1) Was ist heute wirklich dran – und was ist nur laut? Nicht alles, was sich dringend anfühlt, ist heute entscheidend.(1-2 Punkte)
2) Was liegt in meinem Einflussbereich – und was nicht? Diese Unterscheidung entlastet, weil sie Energie bündelt (realistisch, nicht ideal)
3) Was wäre ein Schritt, der Wirkung hat – ohne mich zu übergehen? Nicht perfekt, nicht maximal, sondern stimmig.
4) Was wäre ein freundlicher nächster Gedanke? (denk an die gute Freundin/den guten Freund)
Es geht nicht darum, alles auf einmal zu lösen. Es geht darum, wieder in Kontakt mit dir zu kommen – und aus diesem Kontakt heraus Entscheidungen zu treffen.
Veränderung beginnt oft leise
Viele verbinden Veränderung mit großen Schritten: Jobwechsel, Neustart, radikale Entscheidungen. Manchmal ist das richtig.
Häufig beginnt Veränderung aber leiser: mit Klarheit. Mit einem Satz, den man sich selbst erlaubt. Mit einer Grenze, die man nicht länger übergeht. Oder mit dem Moment, in dem man aufhört, sich selbst als Problem zu behandeln.
Coaching kann dafür ein guter Raum sein: um zu sortieren, Klarheit zu gewinnen und Schritte zu finden, die zum eigenen Leben passen – beruflich wie privat. Nicht, weil etwas „repariert“ werden muss. Sondern weil Orientierung entsteht, wenn man sich selbst ernst nimmt.